„Die nächsten neun Monate sind historisch gesehen die beste Zeit an der Börse“

Die Börse liebt politische Blockaden: Wenn der Kongress nach den Midterms gespalten ist, belohnt sie das Nichtstun der Politik mit überdurchschnittlichen Kursgewinnen. Ken Fisher erklärt, warum das dritte Jahr einer US-Präsidentschaft so stark ist.
Die Wahlen in den USA werden voraussichtlich zum Wendepunkt an der Börse und werden die lange Seitwärtsphase der Kurse beenden. So habe ich es seit dem Sommer hier geschrieben. Schauen wir mal, ob es wirklich so kommt.
Die hohe Bedeutung, die ich den Midterms zumesse, habe ich mir nicht selbst ausgedacht. Sie kommt vielmehr von der Börsenlegende Ken Fisher. Fisher betont wieder und wieder, dass die neun Monate, die den Midterms folgen, für den Aktienmarkt historisch gesehen die beste Zeit sind. Auch andere Quellen belegen das, wie etwa der Blick auf die unterschiedlichen Returns, die verschiedene Jahre einer amerikanischen Präsidentschaft im Durchschnitt erzielen:

Klar zu sehen ist, dass das dritte Jahr einer Präsidentschaft herausragt. Es läuft im Durchschnitt deutlich besser als die anderen Jahre.
Das ist zunächst einmal ein empirisches Argument. Der menschliche Geist ist mit Fakten allein allerdings nicht zufrieden. Das geht auch Ken Fisher so. Deshalb stellt auch er sich die Frage: Warum ist das eigentlich so?
Seine Antwort: Nach den Midterms liegt die Macht im Kongress in der Regel weitgehend bei der Partei, die nicht den Präsidenten stellt. Bei der Opposition also. Nahezu alle Präsidenten haben das so erlebt. Das nennt sich Gridlock. Keine Partei kann nun bedeutende Gesetze durchbringen, die nur auf ihrer eigenen Agenda stehen. Versuchen es die Demokraten, kann der Präsident sein Veto einlegen. Versucht es der Präsident, scheitert er an einer oder an beiden Kammern.
Das führt dazu, dass sich für die Wirtschaft nur wenig ändert. Und genau deshalb liebt die Börse diese Zeit und ‚belohnt‘ Aktien mit einem besonders hohen Anstieg der Kurse. Die Börse belohnt die Politik also nicht etwa dafür, dass sie etwas tut. Sie belohnt sie vielmehr für das Nichts-tun.
Wie gehen die Wahlen aus?
Zudem macht Ken Fisher auch eine Vorhersage, wie die Wahlen selbst ausgehen werden. Dazu nimmt er die Wahlumfragen aus dem Monat Oktober – und schaut sich an, wie sich diese im Verlauf des Monats verändern. Es ist die Richtung, in die sie tendieren, die den Wahlausgang vorhersehbar macht.
Natürlich tut es auch ein Blick auf die Wettmärkte wie Kalshi. Auch hier zählt wieder die Richtung, in die die Zahlen im Verlauf des Oktobers tendierten. Sie sind für die Demokraten gestiegen.

Ken Fisher schätzt den Wahlausgang ganz ähnlich ein wie Kalshi, auch wenn er vermutet, dass es zumindest beim Senat zu einem knappen Sieg der Demokraten kommt, auch wenn sie ihn womöglich nicht kontrollieren können.
Mein Fazit
Der Einfluss von Politik auf die Aktienmärkte wird enorm überschätzt. Das ist auch das Credo von Ken Fisher. Wir haben das jetzt in vielen Jahren schon gesehen. Selbst der Krieg der USA gegen den Iran hat mittelfristig nur verhältnismäßig geringe Auswirkungen auf die Märkte gehabt, auch wenn die Auswirkungen auf Teile der Wirtschaft und vor allem auf die Verbraucherinnen und Verbraucher natürlich sehr viel größer waren.
Ist die amerikanische Politik aber im Gridlock, kann sie also wenig tun, dann entspannen sich die Märkte und steigen in der Regel stärker als sonst.
Der Text ist ein Auszug aus der aktuellen Ausgabe von „Kleine Finanzzeitung PLUS“, die regelmäßig an die Mitglieder im Verein der Kleinen Finanzzeitung geht. Wenn du sie gerne lesen und den Verein unterstützen möchtest, dann schreib „Ich will gerne Mitglied werden an
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Wer mehr von Ken Fisher lesen will, der ist bei seinem Buch zu den Börsenmythen richtig:

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