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Krise? Welche Krise?

05. April 2026

Wegen steigender Ölpreise sprechen manche direkt von einer Krise. Der Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt: Davon sind wir weit entfernt.

Angst ist ein schlechter Ratgeber. Derzeit herrscht die Angst, dass der Krieg der USA (und Israels) gegen den Iran die Weltwirtschaft in einen Abgrund fallen lassen kann. Das ist nicht komplett unmöglich, aber bislang eher unwahrscheinlich. 
 
Der S&P 500 hat, von seinem Hoch aus gerechnet, gerade einmal 8 Prozentpunkte verloren. Das ist eine leicht erhöhte Volatilität. Mehr nicht. Ab 10 Prozent wäre es eine ganz normale Korrektur. Kann kommen – kann aber auch ausbleiben.
 
Alle schauen derzeit auf das Öl – zurecht. Der Ölmarkt selbst hat eine klare Einschätzung: Die erhöhten Preise sind vorübergehender Natur und werden sich schon bald wieder beruhigen. Am Preis für Öl, lieferbar in vier Wochen (schwarze Linie) und lieferbar in 12 Monaten (blaue Linie), ist das gut zu erkennen:
Ist möglicherweise ein Bild von Text „What a Difference a Year Makes The oil market is confident of a return to normality within 12 months 12th Month Brent Crude 1st Month Brent Crude $150 125 100 75 50 1995 2000 2005 25 2010 Source: Bloomberg V 2015 0 2020 2025“
Derzeit notiert das Öl, lieferbar in 12 Monaten, deutlich unter seinen Höchstständen aus dem Jahr 2022. Das ist unangenehm für alle Unternehmen, die viel Energie verbrauchen. Genau wie für die, die der Überzeugung sind, der Staat habe ihnen günstigen Sprit für Tempo 180 auf der Autobahn zur Verfügung zu stellen.
 
Es ist auf der anderen Seite ausgesprochen günstig für die e-Mobilität und für den Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland, die uns von Importen unabhängig machen können. Eine Krise ist das allerdings nicht und wird es wohl auch nicht werden. Niemand hat ein Interesse daran. China nicht, Indien nicht, Europa nicht, Japan nicht und auch die USA nicht. Einzig Russland könnte von einer verlängerten Schließung der Straße von Hormus profitieren.  
 
Die aufgeregte Gesellschaft 
 
Von Krisen ist derzeit oft die Rede. Dabei leben wir nach wie vor, schauen wir auf den Aktienmarkt, in der besten aller Zeiten. Die Grafik unten zeigt die Zahl der Tage, die Anlegerinnen und Anleger auf ein neues Markthoch warten mussten. 
 
Die 70er Jahre waren grauenhaft. Erst mussten Anleger 800 Tage auf ein neues Hoch warten – und dann noch einmal 1.900 Tage lang. Angesehene amerikanische Zeitschriften verkündeten „das Ende der Aktie“.  
 
 
Die Nullerjahre des neuen Jahrtausends waren ebenfalls eine schwere Prüfung. Erst dauerte es 1.800 Tage bis zu einem neuen Hoch im S&P 500 – und dann noch einmal knapp 1.400 Tage. 
 
Seither aber leben wir in einer ausgesprochen ruhigen Aktienwelt. Zur Beruhigung von Anlegerinnen und Anlegern hat das nicht geführt. Im Gegenteil: Auch moderate Volatilität oder eine ganz normale Korrektur wird derzeit schon als ein Crash bezeichnet und auch als ein solcher erlebt. Und überschaubare Anstiege beim Preis an der Zapfsäule, die auf Sicht von zehn Jahren sehr viel niedriger ausfallen als die zwischenzeitlichen Erhöhungen der Preise für Nahverkehrstickets, werden als nationale Katastrophe stilisiert. 
 
Mein Fazit
 
Wir leben in Zeiten, die man als „die aufgeregte Gesellschaft“ bezeichnen kann. In den siebziger Jahren musste die sehr viel ärmere Bundesrepublik und mit ihr die Welt mit einer Verzwanzigfachung des Ölpreises zurechtkommen. Das war eine heftige Herausforderung für die Wirtschaft. Und erklärt den Frust für Aktienanleger.
 
Die viel reichere Bundesrepublik Deutschland heute würde so etwas vor eine erhebliche Zerreißprobe stellen. Die gesellschaftlichen Fliehkräfte nehmen mit zunehmendem Reichtum von Gesellschaften ganz offensichtlich nicht ab, sondern eher zu. Viele Menschen haben eine Menge zu verlieren. Und reagieren mit Angst. 
 
Als Anlegerinnen und Anleger sollten wir besonnen reagieren. Und auf die Fakten schauen. Auch wir werden in Zukunft wieder schwierige Zeiten erleben. Die jetzige Zeit ist das eindeutig nicht. 

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